Rechtsansprüche des Fluggastes bei Flugverspätung, Überbuchung und Annullierung

Im Lichte der kommenden Sommer- und Urlaubszeit möchte ich mich in der vorliegenden Ausgabe mit der Problematik von Flugverspätungen, Überbuchungen und Annullierungen von Flügen und den damit verbundenen Ersatzansprüchen des Fluggastes auseinandersetzen.

Grundlage für die Rechtsdurchsetzung der Passagiere ist die "EU-Fluggastverordnung", die in allen Mitgliedstaaten der EU unmittelbar zur Anwendung gelangt. Diese sieht etwa für den Fall der Überbuchung eines Fluges - also dem Vorliegen von Kapazitätsproblemen aufgrund eines übermäßigen Ticketverkaufes - vor, dass jene Personen, die nicht befördert werden, einen Anspruch auf kostenlose Umbuchung auf einen geeigneten späteren Flug oder auf schnellstmögliche anderweitige Beförderung zum Endziel haben. Sollte jedoch der Zweck der Reise aufgrund der Überbuchung zwecklos geworden sein, muss der gesamte Ticketpreis rückerstattet werden.

Überdies ist die Fluglinie verpflichtet, je nach Dauer der Wartezeit für kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen zu sorgen und wenn notwendig dem Fluggast auch eine kostenlose Übernachtung in einem Hotel zu ermöglichen. Zusätzlich besteht auch ein Entschädigungsanspruch des Passagiers in Höhe von € 250,00 bis € 600,00, je nach Länge des geplanten Fluges.

Für den Fall, dass ein Flug abgesagt, also annulliert wird, stehen dem Fluggast prinzipiell all jene Ansprüche wie bei Überbuchung zu. Wesentlich ist allerdings, dass dann kein Anspruch auf finanzielle Entschädigung besteht, wenn die Flugabsage durch außergewöhnliche Umstände (etwa Terrordrohungen) verursacht wurde. Desweiteren ist bis zu zwei Wochen vor dem Abflugtermin eine Annullierung des Fluges durch die Airline ohne Entschädigungspflicht möglich.

Bei einer Verspätung des Fluges ab fünf Stunden, kann der Fluggast von der Buchung zurücktreten und die Rückerstattung des Ticketpreises verlangen. Ein finanzieller Ersatzanspruch wie im Fall der Überbuchung bzw. Annullierung ist zwar in der zugrunde liegenden Verordnung nicht ausdrücklich vorgesehen, jedoch hat der Europäische Gerichtshof in einem aktuellen Urteil zu Recht erkannt, dass den Passagieren bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden, die nicht auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen ist, ein analoger Ersatzanspruch zusteht.